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Demografiewandel in der frühen Bildung: Chancen, Risiken und die Frage nach Vertrauen 

Wann

24. Sep­tem­ber 2026 
3:00 p.m. — 5:00 p.m.

Ver­an­stal­tungs­typ

Am 24. Sep­tem­ber 2026 hat das Netz­werk GeDAB zum Fach­ge­spräch „Wel­che Chan­cen und Risi­ken bie­tet der Demo­gra­fie­wan­del für einen chan­cen­ge­rech­ten Zugang in die frühe Bil­dung?“ ein­ge­la­den. Bewusst haben wir dafür Expert*innen aus der Pra­xis ein­ge­la­den, die selbst einen Bezug zur migran­ti­schen Com­mu­nity haben. Denn zu oft wird über sie gespro­chen statt mit ihnen, dabei sind sie es, die aus eige­ner Erfah­rung und täg­li­cher Pra­xis am bes­ten Ein­bli­cke geben kön­nen, was chan­cen­ge­rech­ten Zugang zu frü­her Bil­dung ermög­licht oder verhindert. 

Der Zugang zu frü­her Bil­dung in Deutsch­land ist wei­ter­hin struk­tu­rell ungleich ver­teilt. Ver­schie­dene Bar­rie­ren ver­hin­dern dabei, dass alle Kin­der einen Kita­platz erhal­ten. Gleich­zei­tig ver­än­dert der aktu­elle Rück­gang der Gebur­ten­zah­len die Aus­gangs­lage: Wo Kita-Plätze bis­lang knapp waren, ent­steht neuer Spiel­raum. Vor die­sem Hin­ter­grund wid­me­ten wir uns der Frage: Führt die­ser Wan­del tat­säch­lich zu mehr Chan­cen­ge­rech­tig­keit, oder ver­schie­ben sich bestehende Selek­ti­ons­me­cha­nis­men lediglich? 

Zugang beginnt mit Ver­trauen 

Pınar Çetik von der Deut­schen Islam Aka­de­mie gab uns in ihrem Input „Zugang durch Ver­trauen – Inter­kul­tu­relle Öff­nung in der frü­hen Bil­dung“ einen Ein­blick, wie eng Zugang und Ver­trauen zusammenhängen. 

In ihrem Bei­trag wurde deut­lich, dass bereits kleine Details dar­über ent­schei­den kön­nen, ob sich Fami­lien will­kom­men füh­len: ob ein Name rich­tig aus­ge­spro­chen wird, ob Begrü­ßungs­in­for­ma­tio­nen mehr­spra­chig sicht­bar sind, ob ein Team divers zusam­men­ge­setzt ist. Zen­tral war dabei die For­mel „Hal­tung statt Her­kunft“. Es benö­tigt inter­kul­tu­relle Kom­pe­ten­zen und vor­ur­teils­be­wusste Ansätze nach dem Ansatz der Vor­ur­teils­be­wuss­ten Bil­dung und Erzie­hung  von Kin­der­wel­ten. Die Ver­ant­wor­tung dafür darf nicht auf ein­zel­nen Per­so­nen im Team lie­gen. Es braucht eine struk­tu­relle Ver­an­ke­rung in Kon­zep­ten, Aus­bil­dung und im Kita-Alltag. 

Struk­tu­ren ent­schei­den, nicht nur gute Absich­ten 

Bestä­tigt und ergänzt wur­den diese Erkennt­nisse durch Iman Rei­mann, Lei­te­rin der Kita Regen­bo­gen­kids, die aus über 20 Jah­ren Pra­xis berichtete. 

In ihrem Bei­trag wurde deut­lich, wie stark die äuße­ren Struk­tu­ren dar­über ent­schei­den, ob eine echte Bil­dungs- und Erzie­hungs­part­ner­schaft mit den Fami­lien im All­tag über­haupt mög­lich ist. Eine Schwie­rig­keit, die sie beson­ders her­vor­hob, betrifft ver­brei­tete Vor­an­nah­men gegen­über Eltern: Wird ein Eltern­teil vor­schnell als „schwer erreich­bar“ oder „wenig inter­es­siert“ ein­ge­ord­net, bleibt oft unhin­ter­fragt, ob statt­des­sen die Anspra­che, der Zeit­punkt eines Eltern­abends oder feh­lende Über­set­zung die eigent­li­che Hürde ist. Es ist von Bedeu­tung, die Per­spek­tive zu ver­än­dern: Anstelle der Fra­ge­stel­lung, wel­che Maß­nah­men Fami­lien ergrei­fen müs­sen, sollte die Frage im Vor­der­grund ste­hen, wel­che Vor­aus­set­zun­gen für eine effek­tive Part­ner­schaft erfor­der­lich sind und wie päd­ago­gi­sche Fach­kräfte diese sicher­stel­len kön­nen. Dafür benö­ti­gen Ein­rich­tun­gen zeit­li­che und per­so­nelle Res­sour­cen, sowie ent­spre­chende Fortbildungen. 

Was es für echte Teil­habe benö­tigt 

Eine zen­trale Erkennt­nis des Fach­ge­sprächs war daher, dass der Demo­gra­fie­wan­del kein Selbst­läu­fer für mehr Chan­cen­ge­rech­tig­keit ist.  Zwar bedeu­tet die sin­kende Gebur­ten­rate, dass es mehr freie Kita-Plätze gibt, das führt jedoch nicht auto­ma­tisch dazu, dass mehr Kin­der in die Kitas kom­men. Um die Chance, die der Wan­del bie­tet, nut­zen zu kön­nen, benö­tigt es struk­tu­relle Veränderungen. 

Dazu gehö­ren klei­ner wer­dende Grup­pen, damit stär­ker auf die Bedürf­nisse und Belange der ein­zel­nen Kin­der ein­ge­gan­gen wer­den kann, sowie zeit­li­che und infor­ma­tive Res­sour­cen für päd­ago­gi­sche Fach­kräfte. Ebenso wich­tig sind diverse Teams, die die Viel­falt der Fami­lien wider­spie­geln, und ein selbst­ver­ständ­li­cher Zugang zu Sprachmittler*innen, damit Ver­stän­di­gung nicht von der Impro­vi­sa­tion Ein­zel­ner abhängt. Fami­lien brau­chen zudem nied­rig­schwel­lige Beschwer­de­ver­fah­ren, die in eine echte Feed­back­kul­tur ein­ge­bet­tet sind, in der Rück­mel­dun­gen will­kom­men sind und zu Ver­än­de­run­gen füh­ren. Nicht zuletzt gilt es, das Ver­trauen in die Com­mu­ni­ties zu stär­ken, die noch vor weni­gen Jah­ren ver­schlos­sene Türen erlebt haben. Die­ses Ver­trauen ent­steht nicht von selbst: Ver­wal­tun­gen, Trä­ger und Ein­rich­tun­gen müs­sen es aktiv aufbauen. 

Wir dan­ken herz­lich für die fun­dier­ten Inputs und die anre­gende Dis­kus­sion. Unser Dank gilt außer­dem allen Teil­neh­men­den für ihre Anre­gun­gen, ihre Exper­tise und den offe­nen Austausch. 

Eine Collage die die Teilnehmer*innen des Fachtags zeigt. In der Mitte steht in lila vor einem gelben Hintergrund: Fachgespräch Chancen und Risiken des Demografiewandels für einen chancengerechten Zugang in die frühe Bildung