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Wie gelingt gute Sprach­bil­dung für alle Kin­der? Diese Frage steht im Mit­tel­punkt der aktu­el­len Debatte um die geplan­ten ABC-Klas­sen und ver­pflich­ten­den Sprach­scree­nings in Nord­rhein-West­fa­len. Dass Kin­der in ihrer Sprach­ent­wick­lung früh­zei­tig und best­mög­lich unter­stützt wer­den müs­sen, ist fach­lich unbe­strit­ten. Umstrit­ten ist jedoch, wel­che Maß­nah­men dafür geeig­net sind.

Im Rah­men der schrift­li­chen Anhö­rung des Aus­schus­ses für Schule und Bil­dung sowie des Aus­schus­ses für Fami­lie, Kin­der und Jugend des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len gab Dr. Sey­ran Bos­tancı für GeDAB dazu eine fach­li­che Ein­ord­nung ab. 

Dr. Sey­ran Bos­tancı macht in ihrer Stel­lung­nahme deut­lich, dass die Sprach­ent­wick­lung ein indi­vi­du­el­ler Pro­zess ist, der ins­be­son­dere dann wirk­sam unter­stützt wird, wenn sie kon­ti­nu­ier­lich in den all­tags­in­te­grier­ten Bil­dungs­pro­zes­sen der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung beglei­tet und beob­ach­tet wird und nicht über punk­tu­elle Test­ver­fah­ren oder sepa­rie­rende För­der­ar­ran­ge­ments erfolgt. Gleich­zei­tig ver­weist sie dar­auf, dass für addi­tive und sepa­rie­rende Sprach­för­der­maß­nah­men, wie sie mit den geplan­ten ABC-Klas­sen vor­ge­se­hen sind, bis­lang keine über­zeu­gen­den wis­sen­schaft­li­chen Wirk­sam­keits­nach­weise vor­lie­gen. Spe­zi­ell mehr­spra­chige Ent­wick­lungs­ver­läufe lau­fen Gefahr, anhand ein­spra­chi­ger Nor­men bewer­tet zu wer­den. Dadurch besteht das Risiko, sprach­li­che Unter­schiede als Defi­zite zu inter­pre­tie­ren und Kin­der bereits vor dem Schul­ein­tritt zu selektieren. 

Die Stel­lung­nahme ver­bin­det diese Kri­tik mit kon­kre­ten Hand­lungs­per­spek­ti­ven. Statt zusätz­li­cher Sprach­scree­nings und sepa­rie­ren­der För­der­struk­tu­ren plä­diert sie für eine kon­se­quente Stär­kung der frü­hen Bil­dung. Im Mit­tel­punkt ste­hen eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige all­tags­in­te­grierte Sprach­bil­dung, die kon­ti­nu­ier­li­che Beob­ach­tung und Beglei­tung sprach­li­cher Ent­wick­lungs­pro­zesse sowie mehr­spra­chig­keits­sen­si­ble päd­ago­gi­sche Kon­zepte, die an den Res­sour­cen der Kin­der anknüp­fen. Ent­schei­dend sind dabei gute Rah­men­be­din­gun­gen in den Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen: aus­rei­chend Zeit und Wei­ter­bil­dun­gen für päd­ago­gi­sche Fach­kräfte, eine sprach­lich anre­gende Lern­um­ge­bung sowie eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kita und Grund­schule. So kann Sprach­bil­dung dort gelin­gen, wo Kin­der Spra­che vor allem erwer­ben: durch viel­fäl­tige dia­lo­gi­sche Inter­ak­tio­nen im päd­ago­gi­schen Alltag.

Die voll­stän­dige Stel­lung­nahme von Dr. Sey­ran Bos­tancı kann hier nach­ge­le­sen wer­den: