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Mit dem aktu­el­len Koali­ti­ons­ver­trag soll eine flä­chen­de­ckende Sprach­stands­er­he­bung für alle Vier­jäh­ri­gen ein­ge­führt wer­den. So heißt es: „Für gutes Auf­wach­sen und Chan­cen­ge­rech­tig­keit für alle Kin­der in Deutsch­land wer­den wir die ver­pflich­tende Teil­nahme aller Vier­jäh­ri­gen an einer flä­chen­de­cken­den, mit den Län­dern ver­ein­bar­ten Dia­gnos­tik des Sprach- und Ent­wick­lungs­stands ein­füh­ren. Bei ermit­tel­tem För­der­be­darf erwar­ten wir von den Län­dern geeig­nete, ver­pflich­tende För­der­maß­nah­men und ‑kon­zepte.“ Aber för­dert das wirk­lich die Chancengerechtigkeit? 

Wis­sen­schaft­li­che Einordnung

Vor die­sem Hin­ter­grund haben Prof. Dr. Timm Albers und Dr. Sey­ran Bos­tancı eine wis­sen­schaft­li­che Stel­lung­nahme ver­öf­fent­licht, in der sie die geplan­ten Maß­nah­men auf Grund­lage aktu­el­ler For­schungs­er­kennt­nisse ein­ord­nen. Im Mit­tel­punkt ihrer Ana­lyse steht die Frage, ob ver­pflich­tende Sprach­scree­nings und daran anschlie­ßende Vor­schul­klas­sen bezie­hungs­weise addi­tive För­der­maß­nah­men tat­säch­lich geeig­net sind, Sprach­bil­dung nach­hal­tig zu stärken.

Die Autor*innen wei­sen unter ande­rem auf die Gefahr hin, dass ver­pflich­tende Sprach­scree­nings bestehende Ungleich­hei­ten nicht ver­rin­gern, son­dern ver­stär­ken könn­ten, da sie mit einem wei­te­ren Selek­ti­ons­ri­siko in der Bil­dungs­bio­gra­fie von Kin­dern ver­bun­den sind.

Zugleich besteht die Gefahr, dass sprach­li­che Viel­falt vor­schnell als Defi­zit bewer­tet wird. Gerade mehr­spra­chige Kin­der lau­fen dabei Gefahr, anhand ein­spra­chi­ger Nor­men beur­teilt zu wer­den, obwohl ihre sprach­li­che Ent­wick­lung häu­fig kom­ple­xer und dyna­mi­scher verläuft.

Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt betrifft die Wirk­sam­keit der vor­ge­se­he­nen För­der­lo­gik. Die For­schung zeigt, dass addi­tive, von der regu­lä­ren Bil­dungs­ar­beit getrennte Sprach­för­der­maß­nah­men bis­lang keine über­zeu­gen­den Wirk­sam­keits­nach­weise erbracht haben. Nach­hal­tige sprach­li­che Ent­wick­lung ent­steht nicht durch frühe Sor­tie­rung, son­dern durch qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Bil­dungs­an­ge­bote im Alltag.

Sprach­bil­dung braucht gute Rahmenbedingungen

Statt zusätz­li­cher Selek­ti­ons­in­stru­mente plä­die­ren Albers und Bos­tancı dafür, die Rah­men­be­din­gun­gen in der frü­hen Bil­dung zu stär­ken. Kin­der erwer­ben Spra­che vor allem durch viel­fäl­tige dia­lo­gi­sche Sprech­an­lässe im päd­ago­gi­schen All­tag. Damit diese gezielt und nach­hal­tig gestal­tet wer­den kön­nen, benö­ti­gen päd­ago­gi­sche Fach­kräfte gute Rah­men­be­din­gun­gen, ins­be­son­dere aus­rei­chend Zeit für die Vor- und Nach­be­rei­tung sprach­för­der­li­cher Akti­vi­tä­ten sowie für die Gestal­tung einer sprach­lich anre­gen­den Umgebung.

Die voll­stän­dige wis­sen­schaft­li­che Stel­lung­nahme von Prof. Dr. Timm Albers und Dr. Sey­ran Bostancı: